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Auslandsprogramme
Indri Erliandri, ehemalige Stipendiatin des Förderprogramms Biotechnologie, berichtet über ihre Erfahrungen

Indri Erliandri (2.v.r.) kommt aus Indonesien und hat als Stipendiatin am Förderprogramm Biotechnologie teilgenommen. Im folgenden Interview schildert sie ihre Eindrücke und Erfahrungen. Zurzeit ist die 34-Jährige zum zweiten Mal in Deutschland. Sie hat ein Promotionsstipendium vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) erhalten und promoviert in Jena.

Erliandri
Das Foto zeigt sie mit weiteren Stipendiaten aus Indonesien, Thailand und von den Philippinen.
„Wir brauchen in Indonesien dringend mehr qualifiziertes Personal.“

Eine Kooperation im Bereich Biotechnologie zwischen dem Land Niedersachsen und Südostasien macht es möglich: Jedes Jahr haben Nachwuchsführungskräfte aus Indonesien, von den Philippinen, aus Tailand und Vietnam, zukünftig auch aus Argentinien und Brasilien die Chance, als Stipendiaten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nach Niedersachsen zu kommen. Hier erhalten sie ein effizientes Praxistraining bei dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und in Betrieben der BioRegioN. Voraussetzung ist eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren.

Frau Erliandri, Sie haben sich vor einiger Zeit am Förderprogramm Biotechnologie beteiligt. Wie sind Sie in Indonesien darauf aufmerksam geworden?

Die Information kam direkt von der Deutschen Botschaft in Jakarta. Ich war dort, um mich nach einer Möglichkeit für einen beruflichen Auslandsaufenthalt zu informieren. Die Deutsche Botschafterin gab mir den Rat, mich für das Förderprogramm zu bewerben. Einige Zeit später interviewten mich Vertreter vom HZI und BMZ und ich erhielt das Stipendium. Ich habe mich damals sehr gefreut, dass ich ausgewählt wurde.

Wie war Ihr Aufenthalt in Deutschland organisiert?

Man hat sich in der gesamten Zeit meines Aufenthalts um die Organisation gekümmert. Die Betreuung war wirklich exzellent. Ich hatte zum Beispiel zunächst das Problem, dass meine Wohnung zu weit von meiner Arbeitsstelle entfernt war. Mein Ansprechpartner hat mir daraufhin sofort eine andere Unterkunft besorgt. Es wurden außerdem mehrfach Exkursionen oder Zusatzkurse angeboten. Dadurch haben wir auch vieles über die deutsche Geschichte und Kultur erfahren.

Welche Eindrücke haben Sie bei Ihrer Arbeit in HZI gewonnen?

Ich habe im Bereich der Molekularbiologie gearbeitet. Deutschland ist in diesem Bereich eines der fortschrittlichsten Länder und ich wollte natürlich so viel wie möglich lernen. Ich hatte Glück, dass während meiner Zeit bei der GBF ein indonesisches Kooperationsprojekt lief, an dem ich mitarbeiten konnte. Mir fiel dabei auf, dass Forschung und Entwicklung in Indonesien eine weitaus größere Herausforderung darstellen als in Deutschland. In meiner Heimat fehlen nicht nur finanzielle Mittel und Personal, die Arbeitsbedingungen sind außerdem stark von der Politik beeinflusst. Unser Budget ist sehr gering und so versuchen wir, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln so schnell wie möglich Resultate zu erzielen. In Deutschland laufen Forschung und Entwicklung mehr oder weniger unabhängig von solchen Faktoren und die Infrastruktur ist viel besser eingerichtet.

Haben sich für Sie durch das Stipendium neue Perspektiven und Möglichkeiten ergeben?

Das Stipendium hat mir persönlich die Möglichkeit gegeben, mich auf meinem Fachgebiet weiterzuentwickeln und internationale Verbindungen zu knüpfen. So habe ich beim HZI Kontakt zu Forschern aus den unterschiedlichsten Ländern schließen können. Viele von ihnen waren ebenfalls in Deutschland zu Gast, durch ein Gemeinschaftsprojekt oder ein Förderprogramm, meist kamen sie aus Entwicklungsländern. Es haben sich auch Möglichkeiten für weitere Kooperationen ergeben. Einige meiner damaligen Freunde haben zum Beispiel noch an anderen Projekten in Deutschland teilgenommen. Das alles sorgt für einen lebendigen technologischen Transfer.

Würden Sie das Projekt weiterempfehlen?

Das Stipendium der Bundesregierung hat alle meine Erwartungen voll erfüllt. Ich wäre glücklich, wenn noch mehr Leute aus meinem Land an solchen Förderprogrammen teilnehmen würden, vor allem aus den weiter entlegenen Regionen Indonesiens, etwa von den Inseln. Gerade dort ist eine Entwicklung, insbesondere im personellen Bereich, dringend notwendig. Leider ist es schwer, die Informationen in diese Gegenden zu verbreiten. Ich denke generell, es ist nicht einfach, am System in unseren Heimatländern etwas zu verändern, aber wir können dazu beitragen, die bestehenden Probleme in anderer Hinsicht zu lösen – beispielsweise durch Kooperationsprojekte, wie sie von der GIZ ermöglicht werden.