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Aktuelles: Berichte
Gemeinsam für Niedersachsen!
Migration als Eckpfeiler unserer Gesellschaft

Unter diesem Motto führte InWEnt in Kooperation mit dem Carl Duisberg Fördererkreis und dem Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen zum 7. Mal in Folge eine entwicklungspolitische Veranstaltung für Mitglieder des Niedersächsischen Landtages durch.
In seinen Grußworten machte der CDF Geschäftsführer und Leiter des Regionalen Zentrums Niedersachsen der InWEnt gGmbH, Herr Dr. Peter Winter, deutlich:" Wir in Niedersachsen sind sehr stark daran interessiert, in Zusammenarbeit mit NRO's und Migrantenvereinigungen zu kooperieren. Wir können uns gut vorstellen einen Beitrag zu leisten um den Dialog zwischen Akteuren der Zivilgesellschaft wie Migrantenorganisationen und anderen gesellschaftlichen Gruppierungen, auch aus der Wirtschaft zu unterstützen oder diese Organisationen im Capacity Development zu beraten." Auch wenn namentlich InWEnt in dieser Form zum letzten Mal die Entwicklungspolitische Veranstaltung organisiert und durchführt, so ist man auch im nächsten Jahr an einer gemeinsamen Veranstaltung interessiert, dann unter dem neuen Namen Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit – GiZ.
Ulrich Kowlke, Vorstand des VEN stellte den Bezug von Migranten und ihren Herkunftsländern her. Migranten kennen und kommen nicht nur aus verschiedene Kulturen, sondern bauen auch Brücken in ihre Herkunftsländer. Zum Einen über die sogenannte Rücküberweisungen und zum Anderen über Migrantenselbstorganisationen, die sich entwicklungspolitisch bei der Förderung von gemeinwohlorientierten Projekten in ihren Herkunftsländern engagieren.
Rund 80 Teilnehmern/innen lauschten dem Impulsvortrag der Ministerin für Familie, Soziales und Integration, Aygül Özkan, die über die Integ-rationsbewegung in Niedersachsen berichtete und auf die anschließende Podiumsdiskussion einstimmte.
Frau Ministerin Özkan ist davon überzeugt, dass in einer durch Vielfalt geprägten Gesellschaft die deutsche Sprache der Schlüssel zu einer funktionierenden Integration ist. Dennoch müssen ihrer Meinung nach alle Bereiche, in denen sich Migranten aufhalten, bewegen und aktiv sind, angesprochen werden, um ihre Potenziale zu finden und nutzen zu können. Sie appellierte an die Wirtschaft, nicht nur Noten und Schulabschlüsse bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen oder Stellen zu beachten, sondern auch zu schauen, welche Kompetenzen von Migrantinnen und Migranten noch mitgebracht werden, die das Unternehmen bereichern können.
Foto: Ministerin Aygül Özkan – Foto: Ministerium
Vor dem Hintergrund, dass in manchen Stadtteilen der Anteil von Migranten an der Einwohnerzahl über 50% liegt, muss ein Umdenken stattfinden. Migranten stellen heute einen ernstzunehmenden Absatzmarkt dar, den sich einzelne Branchen schon zu Nutze gemacht haben. Z.B. Autohäuser, Banken, Einzelhandel und der Lebensmittelhandel. Bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen und Stellen soll in Zukunft Chancengleichheit hergestellt werden. Aber auch das Ehrenamt und der Pflegebereich dürften nicht außer acht gelassen werden. Erste Erfolge sind z.B. über die Jugendar-beit der Freiwilligen Feuerwehren und Sportvereine zu verzeichnen.
Eine große Baustelle im ihrer politischen Arbeit sei zur Zeit der Bereich der Anerkennung von im Heimatland erworbenen Abschlüssen für die Aufnahme in den Arbeitsmarkt in Deutschland. Damit lieferte Sie einen guten Anknüpfungspunkt für die anschließende Podiumsdiskussion und verabschiedete sich wieder in die laufende Plenarsitzung des Niedersächsischen Landtages.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde über die Bereiche "Migration als Brücke für wirtschaftliche Zusammenarbeit", "Erfolgsgeschichten" und "Sport als Motor für Integrati-on" diskutierte. Der NDR1 Moderator Thorsten Pawlack entlockte den Talkgästen folgende Statements:
"Die deutsche Sprache stellt eine Hemmschwelle für Einwanderung dar. Wichtig wäre, die deutsche Sprache in den Auswanderungsländern intensiv zu fördern. Menschen die ihr Land verlassen, bringen Energie, Hoffnung und Erfahrungen mit – diese Anfangsphase müssen wir nützen" – Dr. Alireza Amir Sayfadini, Zahnarzt und Unternehmer.
"Die breite Öffentlichkeit nimmt das Potenzial noch nicht wahr, das in der Zuwanderung liegt. Auch bei den Behörden gibt es noch zu viele Wi-derstände – gut ausgebildete Menschen bekommen keine Arbeitserlaubnis. Weniger reden – mehr integrieren" – Dr. Arnaud Lionel Ngassa Djomo, Busi-ness Consulting Afrika – Germany, Hannover.
"Verständnis füreinander haben, Vorurteile abbauen, neugierig auf Menschen sein. Wer zu uns kommt, sollte unsere Gesetze und Kultur akzeptieren. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass keine Parallelgesellschaften entstehen". - Editha Lohrberg, MdL, Vorsitzende der Integrationskommission.
"Wir brauchen einen Perspektiv-Wechsel - von einer bisher defizitären Betrachtung von Ein- und Zuwanderung zu einer ressourcenorientierten. Wir müssen heraus-finden: wie ist ein Miteinander möglich – d.h. wir brau-chen mehr interkulturelle Kompetenz" – Dr. Ali Fathi, move global, Hamburg.
"Sport alleine ist nicht integrativ, Sport kann aber integrieren. Der Sport bietet vielen Zuwanderern eine soziale Heimat. Integrationsarbeit endet aber nicht an der Tür der Sporthalle." – Jennifer Osthus, Landessportbund Nieder-sachsen, Team Integration, Sport und Soziale Arbeit, Soziales.
Foto: Podiumsdiskussion - Fotograf: Bodo Langguth
Die facettenreiche, teilweise auch kontroverse öffentliche Diskussion machte es deutlich: So vielschichtig unsere Gesellschaft ist, so vielschichtig sind auch die Bedürfnisse einzelner Personen, Verbände, Vereinen und Organisatio-nen!
Auch der Wunsch nach einer stärkeren Einbindung von Migrantinnen und Migranten in die Entwicklungszusammenarbeit wurde geäußert, da hier viel Potenzial und Kow how vorhanden wäre. Die Worte einer Teilnehmerin mit Migrationshintergrund machten danach jedes Schlusswort überflüssig: "Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Migration ein Eckpfeiler unserer Gesellschaft ist, dann haben wir schon viel erreicht!" Mit diesen treffenden Worten endete dann auch eine engagierte, lebhafte und gut besuchte Dialogveranstaltung von InWEnt, CDF und VEN.
Foto: Talkrunde - Fotograf: Bodo Langguth
Text: Angela Zur, Projektleiterin im RZ Niedersachsen
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