0511 / 380 55 60
50 Jahre Carl Duisberg Fördererkreis Niedersachsen
50 Jahre Carl Duisberg Fördererkreis Niedersachsen

Fünf Jahrzehnte lang Unterstützung junger Menschen in der beruflichen Ausbildung, die bei Betriebspraktika im Ausland persönliche, soziale und berufliche Erfahrungen sammeln konnten. Der 50. Geburtstag des CDF wurde auf einer Festveranstaltung in der Industrie- und Handelskammer Hannover in Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus Politik, Landesregierung, Wirtschaft, Forschung und Bildung sowie der Zivilgesellschaft gefeiert.

Erliandri
Matthias Kühn moderiert die Diskussion zum Vortrag von Prof. Rehm

Bernd Busemann, der Präsident des Niedersächsischen Landtags, ging in seiner Rede auf die Motive ein, die bei Gründung des CDF im Jahre 1965 entscheidend waren. Die Idee war es, jungen Menschen Chancen anzubieten, den eigenen Gesichtskreises durch berufsorientierte Auslandsaufenthalte zu erweitern und im Verlauf ihrer Aufenthalte neue persönliche und berufliche Beziehungen zu knüpfen. Der Landtagspräsident zog einen Bogen in die Gegenwart, in der im Zeichen einer globalisierten und exportorientierten Wirtschaft, genau diese Persönlichkeitsprofile nachgefragter denn je sind – und zwar gerade in Niedersachsen als Deutscher Automobilstandort Nummer eins, als Agrarland Nummer eins, als starker maritimer Standort und als weltweit wichtiger Messestandort in der Landeshauptstadt. Diese Profile umfassen Sprachkompetenz, den Einblick in Arbeitskulturen anderer Länder ganz allgemein oder das Erlernen spezieller Techniken, Umgang mit Menschen aus für uns ungewohnten Kulturkreisen und ganz generell ein offenes und unverkrampftes Verhalten im Alltag.

Erliandri
vordere Reihe (v.r) IHK Präsident Prof. Dr. Rehm, Staatssekretärin Honé, Landtagspräsident Busemann

Birgit Honé, Staatssekretärin in der Staatskanzlei, zu deren Aufgabenportfolio die internationalen Angelegenheiten des Landes und die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union gehören, hob vor dem aktuellen Hintergrund der starken Zuwanderung nach Deutschland hervor, dass für junge Menschen der „Blick über den Tellerrand“ wichtiger denn je ist. Sie führte weiter aus, dass Internationale Handlungskompetenz und sicherer Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen im weltweiten Standortwettbewerb Schlüsselkompetenzen darstellen, zu deren Erwerb der CDF einen wichtigen Beitrag leistet. Im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen ging die Staatssekretärin auf die im September von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeits- und Entwicklungsziele ein, die geprägt sind von einem modernen Verständnis von Nachhaltigkeit in ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Dieser Verpflichtung für alle Staaten hin zu einer nachhaltigen Lebensweise kommt auch die Niedersächsische Landesregierung nach, die im September „Entwicklungspolitische Leitlinien“ dem Landtage vorgelegt hatte.

Erliandri

Den Festvortrag hielt Professor Dr. Hannes Rehm, Präsident der IHK Hannover. Sein Thema „Europa am Wendepunkt“ hätte aktueller nicht sein können – Euro, Griechenland, Schengen, Flüchtlinge – alles Schlagworte, die Politik, Presse und öffentliche Diskussionen seit Monaten, ja seit Jahren, dominieren und viele Menschen beunruhigen. Er entwickelte in seiner außerordentlich präzisen Darstellung Schrittfolgen alternativ zum deutschen politischen Szenario, das davon überzeugt ist, Europa mit Geld zu retten (scheitert der Euro, scheitert Europa), hin zu einer politischen Lösungsstrategie, die er in kurz-, mittel- und langfristig abgestufte Aktivitäten gliedert. Rascher Handlungs- und Gestaltungsbedarf besteht bei Griechenland und für die Verfasstheit der Europäischen Zentralbank. Hier plädierte Rehm für eine Abkehr vom Prinzip „Ein Land – Eine Stimme“, das die notwendige Symmetrie zwischen Verantwortung und Haftung unterläuft. Auf mittlere Sicht richtet sich sein Petitum auf eine Stärkung für den Ordnungsrahmen der europäischen Währungsunion, zu der u. a. einfachere und transparentere Fiskalregeln und erhöhte Eigenkapitalforderungen an Banken gehören müssen. Schließlich skizzierte der IHK Präsident eine längerfristig anzustrebende Vision der EU, in der einige europäische Kernländer mit der Übertragung einzelner nationaler Kompetenzen vorangehen, diese europäisch bündeln und subsidiär praktizieren.Den kompletten Vortragstext enthält ein Sonderdruck der IHK Hannover, der über die CDF Geschäftsstelle bezogen werden kann.

Erliandri

Matthias Kühn, Vorstandsvorsitzender des CDF seit 2004, ging in seinem Beitrag auf die Historie des CDF ein. Motor bei der Gründung und dem zügigen Ausbau der Mitgliedschaften und gleichzeitig Geschäftsführer des Vereins bis 1996 war Wolfgang Freybott, dem er für sein langjähriges, erfolgreiches Engagement herzlich dankte . Von den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden waren Dr. Wolfgang Schultze (1996-2001) und Joachim Kopatzki (2001-2004) anwesend. Auch einige Mitglieder aus der Gründungszeit des Vereins nahmen an der Jubiläumsveranstaltung teil und nutzten den Abend zum Austausch von Erinnerungen.

Der Carl Duisberg Fördererkreis bedankt sich bei der Industrie- und Handelskammer für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläums, das in einem würdigen Rahmen begonnen werden konnte.